Das Broitel – die Convenience Revolution isst Leberkäs

Wenn wir heute von Innovationen durch Food-Start-Ups in Deutschland sprechen, dann handelt es sich zum Großteil um Gin, krummes Gemüse, Kaffee, Bier, Heimlieferservice oder eine App, über die man sein krummes Gemüse direkt nach Hause geliefert bekommt. Nicht, dass es an weiteren Betätigungsfeldern mangelt, aber Investionskosten, Know How, Kontakte und Mut schrecken oft ab.

Ich habe Michi und Christian von www.broitel.de auf einer Veranstaltung von Münchner Food-Start-Ups diesen Februar kennengelernt. Dabei ging es nicht um die ersten Schritte zum Geschäft, sondern um Kontake, Austausch und Zusammenarbeit unter bereits erfahrenen Jungunternehmern. Mit ihrer Idee eines aufzubackenden Leberkäs in einer Brothülle verbinden sie den klassischen Convenience-Gedanken mit traditionellem Handwerk. Ein sehr spannendes Unternehmen, weil Innovationen im Conviencebereich meist von den großen Playern ausgehen und einen langen Atmen brauchen.

Dazu habe ich mich mit Michi unterhalten:

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Wie kommt man auf so eine Idee?

Das Broitel war weniger eine Idee sondern entstand vielmehr durch Zufall. Ja, ich hatte von Anfang an das Ziel, eine neue one-handed ‚Sandwichform‘ zu kreieren die das traditionelle mit dem Trend des 21. Jahrhunderts kombiniert, aber manchmal braucht man auch einfach Glück dabei. Bei Experimenten mit Teflon-Backformen in der heimischen Garage meines Vaters Franz ist zufällig eine Backform umgefallen und wir dachten uns „oha, das ist ja interessant“. Das Broitel war geboren. Schnell stellten wir fest, dass eine deartige Brotform nur Vorteile mit sich bringt. Es ist mit einer Hand essbar, sieht ansprechend aus und ist toll zu befüllen.

Nach einer Entwicklungszeit von etwa einem Jahr kamen wir auf die Idee, versuchsweise unser heißgeliebtes Leberkäsbrät in das Broitel zu füllen. Schnell stellten wir fest, es funktioniert! Wir hatten die erste backfertige Einheit aus Brot und Leberkäs erfunden.

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Wie lange dauerte die Entwicklung bis zum heutigen Produkt?

Da es sich um ein Lebensmittelprodukt handelt, besteht immer Bedarf nach Optimierung und Weiterentwicklung. Insgesamt würde ich jedoch von rund 2 Jahren ausgehen. Dennoch können wir heute sagen, dass das Leberkäsbroitel in seinem jetzigen Entwicklungsstand nun fertig ist. Hierzu trägt auch die neue Verpackung bei, die ab Mai 2015 im Lebensmitteleinzelhandel zum Einsatz kommt.

Was waren die Stolpersteine?

Zu nennen sind sicherlich das relativ hohe Investitionskapital für Foodstartups und Themenkomplexe rund um Haftung und Qualitätssicherung. Auch die Auswahl der Zulieferer stellte eine Herausforderung dar. Schließlich ist eine Zusammenarbeit mit starken Foodpartnern im Lebensmittelbereich unerlässlich, um fortwährende Qualität und Entwicklung sicherzustellen.

Gab es einen Moment, an dem ihr alles hinschmeißen wolltet?

Diesen Moment gab es so direkt nie. Wir hatten immer die notwendige Energie, an unseren Zielen festzuhalten. Es gab zwar immer wieder extreme Situationen, beispielsweise, als wir für längere Zeit bei -18°C in Kühlräumen arbeiten mussten, um Probleme zu lösen oder die erste große Bestellung die Prozesskonflikte offenbarten die uns Tag und Nacht auf Trapp hielten. Es widerspricht aber unserer Mentalität, an einem Punkt, der uns stark fordert, einfach aufzugeben.

Ihr sprecht von einer Innovation im Bereich des traditionellen Handwerks, das Produkt ist aber im Convenience Bereich zu verorten. Zwei sehr schwierige Segmente, oder?

Diese beiden Segmente widersprechen sich in keinster Weise! Innovation resultiert gerade auch aus der Tradition. Bestehende Strukturen werden immer weiterentwickelt. Ein rein traditioneller Handwerker, der sich nicht weiterentwickelt, sieht sich mit der Gefahr konfrontiert, auszusterben. Daher ist es logisch, beide Segmente, Tradition und Innovation, zu kombinieren. Dies möchte auch der Verbraucher: gute Convenience-Produkte, die nicht nur auf dem Stand der Technik sind, sondern auch schmecken und Qualität garantieren. Ein Convenience-Produkt im 21. Jahrhundert sollte beide Segmente sinnvollerweise zusammenbringen.

Welche Kosten stecken in der Entwicklung?

Die Kosten bewegen sich im unteren 6-stelligen Bereich exklusive aller Patent- und Schutzrechtsstrukturen.

Wen soll das Broitel ansprechen? Wie setzt sich eure Zielgruppe zusammen?

Basierend darauf, dass wir Handwerk mit Convenience verbinden, ist die Zielgruppe extrem breit. Wir sprechen das junge und ältere Publikum gleichermaßen an. Wir erfüllen alle Kriterien für ein zeitgemäßes und hochwertiges Produkt. Da ist nicht nur der Student, der Singlehaushalt, zu nennen, sondern auch der Vater mit 55 Jahren, der sich an seine Kindheit erinnert, wenn er in das rustikale warme Brot hineinbeißt.

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B2B spielt große Rolle für euch. Wie kommt man bei  den großen Unternehmen ins Gespräch?

Hier kommt es ganz klar auf Menschlichkeit und ein gut funktionierendes Netzwerk an. Ansonsten gilt: anrufen! Dadurch, dass wir ein Startup sind, mit einem wirklich guten und innovativen Produkt, öffnet das einem natürlich relativ schnell die Türen.

Wie schauen eure Kommunikations- und Marketingmaßnahmen aus?

Wir haben ein Produkt, welches nicht einfach nur über die modernen Online-Wege beworben werden kann. Natürlich führt am sogenannten ‚viralen Marketing‘ kein Weg vorbei. Aber es ist auch wichtig, das Leberkäsbroitel immer wieder zu verkosten. Dies erreichen wir durch gezielte Produktpromotions im Markt vor Ort. Unsere Zielgruppe muss das Leberkäsbroitel schmecken und riechen können. Wichtig ist auch die Mund-zu-Mund-Propaganda. „Das schmeckt mir, das will ich auch“. Dies sind mit Sicherheit die wichtigsten Instrumente für ein Lebensmittelprodukt.

Welcher ist euer stärkster Verkaufskanal? Welche Rolle spielt der Onlineshop?

Der stärkste Kanal ist ganz klar der stationäre Einzelhandel. Daneben bedienen wir den Foodservice. Durch den regionalen Bezug des Leberkäsbroitels spielt der Online-Shop jedenfalls keine übergeordnete Rolle. Aber natürlich ist er praktisch für all diejenigen, die außerhalb unserer lokalen Reichweite liegen. Wir haben immer wieder Anfragen aus Berlin, Hamburg, von Leberkäsliebhabern, die sagen, hey, das Produkt will ich bestellen. Der Online-Shop ist so gesehen eine Serviceleistung von uns, für die Fans unseres Produkts.

Ihr bezeichnet euch als Ideenschmiede für Lebensmittel – was können wir noch von euch erwarten?

Betrachtet man die vielfältigen Möglichkeiten des Ausgangsproduktes, des Broitels, dessen Varianten und Befüllungsmöglichkeiten, kann man in Zukunft sicher mit einer Vielzahl an neuen Produktvariationen rechnen. Freut Euch drauf😉