Ein Start-Up Aperitif namens Ajuco.

www.Ajuco.de ist schwer in Geschmacksnoten und Worte zu fassen.

Ajuco

Das Getränk widerstrebt einer Zuordnung und Julian Draheim, der Kopf dahinter, spricht von einer neuen Kategorie an Aperitif. Ajuco ist auch gleichzeitig seine Geschichte und zeigt, dass man auch in jungen Jahren den eigenen Weg konsequent nicht scheuen soll! Ursprünglich als antialkoholischer Muntermacher auf Teebasis für Parties und Musikgigs gebraut, destillierte sich die Idee einer Spirituose aus dieser ersten Maische. Und wo andere an Verwaltung, Budgetierung oder dem eigenen Schweinehund scheitern, geht Julian mit Ajuco von München aus seinen Weg. Manchmal mehr, manchmal weniger geradlinig, aber immer mit dem Ziel vor Augen, eines Tages eine internationale Marke zu schaffen. Was Julian auch von den meisten meiner bisherigen Gesprächspartner unterscheidet.

Julian und ich sind vor zahlreichen Freitagen zusammengesessen und haben uns über sein Start-Up unterhalten. Nachfolgend findet ihr die Gesprächsnotizen zu einem alkoholfreien Versuch, aus dem eine ‚Schnapsidee‘ mit großen Zielen entstanden ist.

Woher stammt die Idee, sich ausgerechnet mit Ajuco selbstständig zu machen?

Die erste Version von Ajuco war ein Teegetränk vor zwei Jahren, das wir für Parties oder Konzerte aufgesetzt haben, bei denen wir als Musiker aufgetreten sind. Dabei ging es uns um Geschmack und Wirkung. Die alkoholische Komponente war ein logischer Schritt, wobei der Grundstock der Zutaten gleich geblieben ist. Es fand nur eine Steigerung in der Komplexität der Zutaten und Professionalisierung der Umsetzung statt – also weg vom heimischen Herd, hin zu einem Kooperationspartner aus dem Spirituosenbereich.

Ajuco

Wann war der Moment der Selbstständigkeit gekommen?

Es waren viele kleine Schritte, aber am Ende des Tages war es mein eigenes Interesse das ausschlaggebend ist. Ich habe über ein halbes Jahr recherchiert, probiert, bis ich diesen Aperitif aus 24 Beeren, Früchten, Kräutern und Wurzeln kombinatorisch zusammen hatte. Du findest unter anderem Blaubeere, Kumquat, Preiselbeere, Rosmarin, Estragon, Aronia, Catuba oder Galgant im Produkt. Ein befreundeter Industriedesigner hat mir das Layout sowie die Flasche designt. Naja, dann bist du halt startbereit.

In den vergangenen Jahren haben Spirituosen wie Gin, Rum oder Mezcal geboomt. Welche Reaktionen erntest du mit deinem Produkt?

In diesem Rahmen fällt Ajuco sicher auf, aber es ist immer eine Frage der Positionierung. Ajuco besteht aus 24 Zutaten und wird sehr aufwendig produziert. Es ist aber kein Likör oder Brand, sondern für mich eröffnet das Produkt eine eigene Gattung Richtung Aperitif. Du hast saure, süße und bittere Nuancen sowie im Abgang eine leichte Schärfe.

Als Aperitif und in seiner Farbgebung gesehen, kann  Ajuco die Zutat für den Sommerdrink 2014 werden. Die Mischfähigkeit ist gut und wir geben mit zahlreichen Rezepten Ideen vor. Aktuell putze ich Klinken in der Münchner Gastronomie und stelle das Produkt den Barkeepern einzeln vor – wobei ich sehr positives Feedback und Interesse zurückgespiegelt bekomme!

Was sind die größten Hindernisse in der Entwicklung des Produkts?

Die Entwicklung des Produkts hat mir eigentlich sehr viel Spaß bereitet und ich habe mich mittels Fachbücher – die meist auch online verfügbar sind – in die Materie eingelesen. Wichtige Schritte wie Auftritt, Aussehen oder Flaschenform konnte ich mit Freunden erarbeiten. Und über Kontakte in der Gastroszene konnte ich immer sehr nah an den Experten mir Rückmeldung und Tipps abholen. Problematisch war eine Finanzierung über einen größeren Betrag durch die xy Bank und am Ende eines Frühlingstages war auch der ursprüngliche Name des Produkts geschützt. Diese Punkte haben den Launch für ca. 6 Monate verzögert, aber nicht aufgehalten.

Hast du Erfahrungen in der Gastronomie oder bei der Schnapsproduktion? Welchen beruflichen Hintergrund hast du?

Mit meinen 21 Jahren bin ich wohl ein sehr junger Gründer. Der erste Gedanke zu dem Produkt stammt aus meiner Zeit als Musiker / DJ, wobei ich damals keine Vorkenntnisse hatte. Ich habe dann ein Praktikum bei www.theduke-gin.de absolviert und einiges zur Produktion und Marketing gelernt. Alle weiteren Lernschritte bezüglich dem Produkt habe ich mir angelesen und verfüge dankenswerter Weise über sehr gute sensorische Fähigkeiten.

Wie möchtest du Ajuco positionieren?

Am Anfang stand noch der pure Genuss von Ajuco, mittlerweile ist daraus aber auch eine professionelle Spirituose zum Mischen und Mixen geworden. Ajuco hat für mich einen gewissen Lifestyle, den man nicht unbedingt in eine Ecke zwingen muss. Ich sehe das Produkt im Club ebenso wie in der gehobene Bar und im Sommer auf der Terrasse als Spritz.

Der Auftritt sticht aber ins Auge: die Kreise, die Flaschenform, die Farbe. Das Produkt macht neugierig und seine Geschmacksnoten sollen generell neugierig machen. Mit einem UVP von 17 bis 20 Euro sind wir aber noch recht preiswert für die Exklusivität, die wir ausstrahlen. Grundsätzlich wollen wir uns aber über den einzigartigen Geschmack positionieren.

Welche Produktionsmengen kann ich mir vorstellen?

Der Plan sieht vor, in 2014 50.000 Flaschen zu produzieren.

Welche Rolle spielen Themen wie Region, Geschmack, Herkunft, Herstellung und Zutaten?

In der Kundenansprache setzen wir auf einige dieser Punkte, das Produkt ist aber keine regional, bayerische Marke, sondern internationale Geschmacksnoten. Du musst dich irgendwann entscheiden, ob du als Manufaktur oder Unternehmen auftreten möchtest. Was natürlich auch eine Preisfrage ist. Für Ajuco ist die Rezeptur entscheidend, die ohne chemische Zusätze auskommt. Bei den 24 Zutaten schaue ich auf Punkte wie Nachhaltigkeit,  biologischer Anbau oder Fair Trade wo es geht und Sinn macht. Dies wird aber sicher nicht das Hauptargument im Verkauf.

Wie schaut eure Marketingstrategie aus? Wie vertreibst du Ajuco?

Aktuell stehen wir mit Ajuco in verschiedenen Münchner Läden wie Feinkost Baumgartner nähe Rotkreuplatz oder in der www.schrannenhalle.de. Dazu stelle ich Münchner Barkeepern Produkte zum Testen zur Verfügung und schaue, dass ich über Cocktail- und Longdrink-Rezept-Ideen überzeuge – alle Kontakte laufen gerade auf persönlicher Ebene. Zusätzlich entsteht gerade ein Onlineshop ich bin konsequent auf der Suche nach neuen Partnern.

Wie schaut dein zeitlicher Aufwand für dein Start-Up aus?

Unendlich.

Wann ist der Punkt erreicht, an dem aus dem Traum Wirklichkeit wird. Wo möchtest du in zehn Jahren mit deinem Unternehmen stehen?

Wenn Ajuco als Spirituose und Aperitif anerkannt und gelernt ist – dann habe ich etwas erreicht. Das große Ziel ist, eines Tages über den deutschen Markt international zu wachsen und Erfolg zu haben!