Vodrock – Jungfrauen küssen auf Kartoffelbasis!

Ich kam zu Vodrock, wie die Jungfrau zum Kind. Über eine Empfehlung, einen Blogbeitrag. Die Homepage war noch nicht freigeschaltet, rein der Name und Design zeigten Reife. Shit, noch ein Vodka? Ja, und was für einer!

In der Zwischenzeit steht die Homepage, der Auftritt spielt mit Herkunft, Qualität und rockigen Assoziationen. Auch wenn Vodrock nicht mehr der erste Vodka aus Bayern ist, mit seinem Auftritt, Sprache und Herstellungsprozess ziehen Richard und Johannes klare Grenzen zu den Mitbewerbern wie Bavarka.

Es ist ein spannender Entwicklungsprozess, den die Gründer hingelegt haben. Ähnlich einer Rockband, die sich sammelt, fast 2 Jahre übt, probt und jetzt bereit ist für den großen Auftritt.

Die Väter des Vodrock

Woher stammt die Idee, sich ausgerechnet mit einem Vodka selbstständig zu machen? In den letzten Jahren haben eher andere Spirituosen für Furore gesorgt! 

Unsere 4er WG wurde schnell Anlaufpunkt unseres Freundeskreises zum Schafkopfen, Vorglühen, für Parties und auch gelegentlich für After Hours.

Bei allen Feierlichkeiten wurde bestes bayerisches Bier verzehrt und falls Schnaps im Spiel war wurde oft Vodka mitgebracht, wobei es sich hierbei fast ausschließlich um die gängigen Marken handelte. Die meisten Vodkas sind leider pur kein Hochgenuss und außerdem ging es uns als Vollblutbayern durch den Strich, dass wir kein bayerisches Produkt in der Hand hatten.

Hieraus entstand dann die Idee, doch einen Vodka zu machen, der in Bayern hergestellt und abgefüllt wird und vor allem welcher geschmacklich alles in den Schatten stellt, mild ist und vor allem pur zu genießen einlädt und eben nicht nur zum Mischen verwendet wird.

 Ihr habt noch einen Brotjob. Welche Reaktionen erntet ihr mit eurer Idee eines eigenen Produkts?

Genau, davon leben können wir als neues Start-Up nicht. Richard arbeitet im Finanzbereich für regenerative Energien, Johannes macht seinen Facharzt in Dänemark. Die Reaktionen sind absolut positiv und die meisten finden die Idee klasse.

Vor allem in Bayern ist man sehr heimatverbunden und bei Verkostungen oder Events merkt man einfach, dass die Leute ein heimisches Produkt besonders interessant finden … Wenn sie dann die Flasche sehen und vor allem kosten sind sie vollends überzeugt.

Welche sind die größten Hindernisse für euch?

Das größte Hindernis ist sicherlich Geld für größere Investitionen und Zeit, da wir ja beide wie erwähnt voll im Berufsleben stehen.

Wir haben sicherlich den Vorteil ein Produkt geschaffen zu haben, welches geschmacklich und gestalterisch zu überzeugen weiß. Aber Name und Produkt müssen auch in den Köpfen der Menschen ankommen und dies ist oft nur mit Marktingaktionen möglich, welche momentan noch nicht finanzierbar sind. Allerdings merkt man, dass sich der Name Vodrock trotzdem schnell verbreitet und darauf sind wir natürlich stolz, denn das steht für die Akzeptanz und Qualität des Produkts.

Wie lange hat die Entwicklung eures eigenen Vodkas gedauert? Wie seid ihr vorgegangen?

Generell verhält es sich bei uns so, dass eine Idee, welche sich erstmal festgesetzt hat und als aussichtsreich gilt, sich nicht mehr so schnell verdrängen lässt.

Vor allem beim Geschmack wollten wir keine Kompromisse eingehen und das dauert eben. In unserem Falle fast 2,5 Jahre, da wir nebenbei noch das Studium abschließen mussten und das Ganze ja in unserer Freizeit machen.

Habt ihr Erfahrung in der Gastronomie oder beim Schnapsbrennen. Oder habt ihr euch alles selbst beigebracht?

Erfahrung in der Gastronomie und Promotion haben wir reichlich, beim Schnapsbrennen sind wir eher Theoretiker. Wir haben viel recherchiert bezüglich verschiedenen Verfahren, Zutaten und Geschmacksnuancen, doch uns wurde schnell klar, dass es uns nicht möglich sein wird eine Brennerei neu aufzubauen. Deswegen haben wir uns um einen starken Partner bemüht und diesen in der Firma Penninger gefunden, welche nach unseren Vorstellung und unserem Rezept den Vodka herstellt.

Vodka ist im hochpreisigen Segment ein sehr umkämpfter Markt. Wie schaut eure Positionierung aus?

Die Positionierung wurde mit dieser Frage schon vorweggenommen. Wir sind keine Massenware, sondern setzen auf durchwegs biologische Zutaten, absolute Reinheit und unser Produkt wird in richtigem Handwerk hergestellt.

Sogar die Etiketten werden bei uns noch selbst aufgeklebt. Wir sind der Meinung, dass sich Qualität immer durchsetzen wird, sie muss aber auch ordentlich verpackt werden. Und dies ist uns glauben wir auch ganz gut gelungen.

Welche Produktionskapazitäten kann ich mir bei euch vorstellen?

Wir brennen momentan noch nach Bedarf. Da wir mit der Firma Penninger auf entsprechende Produktionsfaktoren Zugriff haben, sind wir da flexibel. Die Anlagensind sowohl auf kleine als auch auf große Mengen ausgelegt. Eine genaue Zahl ist schwer zu sagen, aber auf die scherzhafte Frage, ob wir irgendwann einmal 15.000 Flaschen abfüllen lassen können hieß es, da bräuchten wir uns noch keine Sorgen machen!🙂

Euer Label ist sehr stylisch ausgelegt und eure Homepage lässt einen ähnlichen Gesamtauftritt erwarten. Wie wollt ihr euer Produkt kommunizieren?

Wir sind ein Vodka, welcher sich nicht in das prüde und teilweise langweilige Kostüm der „Hochpreis“-Vodkas zwängen lässt. Wir sind ein absolutes Gourmetprodukt mit nem Hang zum Rock’n’Roll. Harte Schale – milder Kern quasi. Das wird sich ab 2014 auch auf Messen und weiteren Veranstaltungen zeigen, wir haben schon viele Ideen…was wir nicht kommunizieren wollen ist dieses ‚Wir-sind-perfekt-Image‘. Wir stehen auf ausgefallene Sachen die der eine total geil findet und der andere völlig übertrieben oder daneben.

Wie jeder Mensch soll auch unser Produkt seine Ecken und Kanten haben und das ist genau das, was uns dazu bewegt hat eine neue Marke zu schaffen.

Flaschendesign

Welche Rolle spielen bei euch Themen wie Region, Geschmack, Herkunft der Zutaten oder Herstellung?

Diese Themen spielen eine sehr große Rolle. Für uns war es wichtig, dass wir unser Produkt in Bayern und vor allem aus inländischen Zutaten herstellen. Geschmacklich sind wir keinerlei Kompromisse eingegangen, was unter anderem dazu beigetragen hat, dass sich die Entwicklung über 2,5 Jahre erstreckt hat. Vodka ist heutzutage ein sehr neutrales Produkt, aber trotzdem sind es die kleinen Details welche den Unterschied ausmachen. Wir wollten ein Produkt entwickeln, welches vor allem pur für Furore sorgt, das nicht ‚tot-destilliert‘ ist und eine geschmackliche ‚Seele‘ hat.

Wie schaut eure Marketing Strategie aus? Ihr arbeitet mit einem Online-Shop und eigenem Vertrieb?

Vorerst werden wir über Klinke putzen und Onlinevertrieb versuchen uns eine kleine Fangemeinde zu erarbeiten. Wenn wir eine gewisse Basis erreicht haben, möchten wir natürlich mehr Leute erreichen und dies mit Werbung erreichen.

In welchem Ausmaß uns dies dann möglich ist wird sich zeigen.

Wann ist der Punkt erreicht, an dem euer Traum Wirklichkeit wird?

Eigentlich sind wir schon in der Aufwachphase angekommen, da es unglaublich ist in Bars/Clubs/Restaurants der Gegend und Online plötzlich deinen eigenen Vodka stehen zu sehen. Vor allem die erstaunten Gesichter nach der ersten Kostprobe und das schnelle Nachschenken der selbigen  machen einen schon ein bisschen stolz.

Wo möchtet ihr mit eurem Unternehmen in 10 Jahren sein?

Zehn Jahre ist momentan noch etwas weit gegriffen, da wir gerade erst angefangen haben und erst schauen müssen, wie unser Produkt ankommt. Das weiß man vorher ja nie so genau. Das klassische “Businessplan-Modell” funktioniert also bei uns noch nicht. Im Klartext heißt das: Wir haben jetzt viele Flaschen Schnaps im Lager, die wir verkaufen müssen und werden.

Wenn unser Produkt den Leuten gefällt, dann wird das gut funktionieren und wenn nicht, dann wird’s etwas schwieriger. Aber das ist das Risiko, das man zu tragen bereit sein muss. Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass es funktioniert. Die ersten 330 Flaschen waren bereits nach knapp 3 Wochen weg und wir haben schon weitere Vorbestellungen. Wir haben also, wie es ausschaut, doch nicht alles falsch gemacht.

Natürlich wollen wir uns einen Kundenkreis erarbeiten, welcher uns eine stabile Basis für weitere Investitionen ermöglicht, im Idealfall lässt sich irgendwann von der eigenen Idee und dem eigenen Produkt auch leben oder sich ein kleiner Traum erfüllen. Für uns steht vorerst die Etablierung des Unternehmens im Vordergrund und dann müssen wir schauen, wo die Reise hingeht.

Flaschenpool