Paar aufs Maul? Wer wagt, gewinnt!

Mein Blick auf Start Ups ist wahrscheinlich ein wenig getrübt oder kam es mir in letzter Zeit nur so vor, dass Unternehmen darum ringen, wer die krümmste Gurke und Karotte verarbeitet oder den Ansatz mit der größten lokalen Couleur transportiert?

Dass es neben Nachhaltigkeit, Herkunft, Genossenschaftsformen und Hyperlokalität noch weitere interessante Ansätze gibt, erfuhr ich auf der diesjährigen Internorga. Neben dem Würstchentoaster stach der Stand von Paar aufs Maul in mein Auge und zauberte ein Lächeln in mein Gesicht – wahrscheinlich, weil ich für derartige Provokation sehr empfänglich bin. Dies ist kein Unternehmen, das mit seiner Message hinter dem Berg hält. Hier werden keine höheren CSR-Werte transportiert, sondern rein der Spaß an der Sache: Party. Dass auch solche Konzepte Platz haben und Sinn machen, zeigt Michael und sein Team seit einem Jahr. Zeit, um ihm dazu ein paar Fragen zu stellen.

Woher stammt die Idee, sich ausgerechnet mit einem Getränk selbstständig zu machen? Vor allem in dem heiß umkämpften Party-Segment?

Es war einfach an der Zeit, sich mit einem gesunden Party-Getränk selbstständig zu machen. Ein Drink, der erfrischt und ohne Zucker, künstliche Farbstoffe oder ähnliches auskommt.

Welche Reaktionen habt ihr geerntet, als ihr euch selbstständig gemacht habt?

Wir sind schon seit 12 Jahren als Agenturies (www.ecomx.de) selbständig und verändern uns lediglich vom Dienstleister zum Produzenten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Welche waren die größten Hindernisse für euch?

Banken! Das wurde aber mit einem runden Konzept und Privatinvestoren geregelt! Es ist kaum zu glauben wie wenig risikobereit die Banken heutzutage sind, selbst wenn man einen Masterplan vorlegt. Ohne Verpfändung der eigenen Mutter und Übereignung aller Organe im Körper geht da nix. Man investiert lieber in Sandgebäude in Qatar oder verpulvert Geld an die Lehmann Bros. bevor man einen Visionär unterstützt, der das Potenzial hat eine Handelsmarke durchzusetzen.

Mate ist nicht unbedingt ein in Deutschland weithin bekanntes Getränk. Ist / War dies ein Hindernis? Der Geschmack unterscheidet sich doch stark von anderen Mitbewerbern der Party-Getränke.

Ja aber durch die Produktserie wurde das kompensiert. (Anmerkung: Die Range von Paar aufs Maul umfasst neben Mate Bräu auch Mate Cider und Himbeer-Likörspritzen.)

Welche Produktionskapazitäten kann ich mir bei euch vorstellen?

250.000 Liter pro Monat (Bräu und Cider) und 250.000 Likör-Spritzen.

Ihr habt eurem Produkt mit Paar aufs Maul einen sehr ‚lauten‘ Namen gegeben. Eure gesamte Bildsprache zielt auf Party und Spaß. Woher kommt die Idee zu dieser eindeutigen Positionierung?

Von einer eindeutigen Positionierung kann man hier nicht sprechen. Wir starten mit Party … es folgen aber weitere Steps, wo wir immer wieder das Gesicht verändern werden – quasi in einem Stufenplan. Das Konzept verbirgt viel mehr als Party, ein Einstig mit „Wir sind gesund“ wäre aber nicht passend gewesen. Wers Hirn einschaltet merkt aber recht bald, dass man cool und healthy sein kann.

Im Prinzip … haben wir die Konzepte von Red Bull, Desperados Beer, Bionade, Fritz-Kola, Ficken und Club Mate auseinandergenommen. Rausgekommen ist Paar aufs Maul und sogar das Gebinde ist die Marke. (Anmerkung: die Produkte sind immer im Doppelpack zu haben, was die Interaktion fördern soll)

Mate Bräu

Mate Cider

Themen wie Geschmack, Herkunft der Zutaten oder Herstellung waren für euch nie ein Aufhänger?

Doch klar – alles muss schmecken und es darf kein Scheißdreck in die Dosen und Flaschen reinkommen. Ich sage das in der Deutlichkeit, weil mittlerweile in 90% aller Supermarktprodukte selbiger drin ist.

Wie schaut eure Marketing Strategie aus? Ihr arbeitet mit einem Online-Shop und eigenem Vertrieb?

Reizen bis aufs Blut, lustig sein, Zucker und Aspartam (Anmerkung: Aspartam ist ein synthetisch hergestellter Süßstoff) den Krieg erklären … schlicht informieren. Social Media und Mittelstand nutzen. Ziele sind vor allem über Event-Gastronomie, Convenice und Einzelhandel den Markt zu durchdringen.

Team

In der Online-Kommunikation betreibt ihr ein Blog, einen Twitter-, YouTube– sowie Facebook-Account. Aber ihr nutzt nur Facebook und YouTube. Wieso?

Alles zu seiner Zeit und wie es die Zeit bringt – aktuell müssen wir schauen, dass die Kunden beliefert werden. Blog steht, Twitter auch, Facebook erzeugt für uns derzeit einfach das beste Bild und ein sauberes Verteiler-Reporting.

Eure eigene Firma ist wohl kein 40 Stunden Job. Welche Bereiche sind die arbeitsintensivsten Faktoren?

Nein, es ist ein 80 Stunden Job bei dem Akquise und Struktur die meiste Zeit beanspruchen.

Wo möchtet ihr mit eurem Unternehmen in 10 Jahren sein?

100 Millionen Euro Jahresumsatz in 5 Jahren! Dann Exit oder weiter!